Der Sauerländer aus Sicht rheinischer Buiterlinge

Wohl kaum jemand kann objektiver über den Sauerländer berichten, als derjenige, der ihn von aussen kommend kennen lernt. Nicht eingebunden in Verpflechtungen, unvoreingenommen und wissensdurstig, lässt sich ein objektives Bild vom Sauerländer skizzieren.

Wir haben das Glück, seit 3 Jahren in dieser Rolle zu sein und versuchen, in den folgenden Beiträgen, den Sauerländer, den wir zu schätzen gelernt haben, aus Buiterlingsicht zu beschreiben.

Eigentlich sind es nur rund 150 Kilometer, die unsere ehemalige und unsere neue Heimat trennen. In der Realität sind es jedoch Welten. Und so wurden wir schon von manchem darauf angesprochen, ob wir den Sauerländer denn auch als derart stur kennen gelernt haben, wie viele es behaupten und wie man als Rheinländer im Sauerland klar kommt.

Der Rheinländer

Vorweg sollte ich all denen, die den Rheinländer nur gutgelaunt vom Karneval im Fernsehen kennen, vielleicht einen kleinen überspitzten und verallgemeinerten Einblick in die rheinische Seele geben.
Über den rheinischen Frohsinn kann ich leider nicht viel schreiben, da ich diesen ausserhalb der fünften Jahreszeit nicht wirklich kennen gelernt habe. Wie es in der Stadt eben so ist, war meine Wahrnehmung des Rheinländers eher getrieben, geschäftlich kühl, opportunistisch und Selbstbewusst.
Ach ja, und bescheiden.
Der Rheinländer ist so bescheiden, dass er seine Stadt und sein Veedel im Zentrum der Welt sieht. Die „Anderen“ werden gerne belächelt oder durch den Kakao gezogen, um die eigene Position bestmöglich zu stärken. Mittelgroße rheinische Städte bezeichnen sich gerne auch schon mal als Metropole oder Weltstadt, sobald sie über ein Straßenbahnnetz und eine 24-Stunden-Tankstelle verfügen. Das mit der Weltstadt glaubst Du als Rheinländer übrigens genau so lange, bis Du zum ersten Mal in einer wirklichen Metropole unterwegs bist. Dann ist Dein Weltbild wieder gerade gerückt.

Je weiter es Richtung Stadtmitte geht, desto ausgeprägter wird diese „Wir sind der Nabel der Welt“-Mentalität. Und so wundert es auch nicht, dass ein Düsseldorfer Oberbürgermeister sich vor ein paar Jahren, öffentlich hat zur Aussage hinreissen lassen, „doch lieber tot überm Gartenzaun hängen zu wollen, als anderswo zu wohnen“.
Bescheiden eben!

Vielleicht war es genau diese „Bescheidenheit“ und „Bodenständigkeit“, mit der wir uns irgendwann nicht mehr identifizieren konnten und die uns von dort hat aufbrechen lassen.

Wir haben gerne und aktiv in der Stadt gelebt, uns dort auf vielen Wegen eingebracht und wir kommen auch immer mal wieder gerne zurück dorthin. Dennoch gehörte es für uns zu den größten glüxx-Momenten in den letzten Jahren, das Kapitel Stadtleben zu beenden und ein neues Kapitel zu eröffnen. Im Sauerland.

Der Sauerländer

Um es vorweg zu nehmen, der Sauerländer ist nicht sturer, als der Rheinländer frohsinnig ist. Als wir 2016 mit unserem rheinischen Weltbild im Gepäck hier auf´s Land gekommen sind, und dies erstmals nicht als Urlauber, sondern für länger, merkten wir sehr schnell, dass die Uhren hier anders ticken.

Auf unserer Suche nach Glück und glüxx-Momenten im Sauerland, war es genau das, was wir wollten. Ein anderes Leben als bisher in der Stadt. Entspannter, natürlicher und mit neuen Kontakten und Eindrücken. Wir haben bekommen was wir wollten und lernen täglich dazu wie die Uhren im Sauerland ticken.

Erstmal kommen lassen

Der Sauerländer schaut sich die Neuen erst einmal ganz genau an und lässt sich nicht in die Karten schauen, ob er Dich nun mag oder nicht. Anfangs war es daher ziemlich ungewohnt aus einem Gespräch zu kommen und nicht genau zu wissen, was der andere jetzt von uns und unseren Ideen hält. Vielleicht ist es genau das, was manche als Sturheit bezeichnen. Ich denke, Besonnenheit trifft es wohl eher.

Nachvollziehbar. Auf dem Land kommt es seit jeher auf Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft und Gemeinsamkeit an. Diese wichtigen Eigenschaften lassen sich nicht im ersten Gespräch feststellen. Es braucht Zeit zu erkennen, ob „die Neuen“ Schaumschläger sind oder ins Sozialgefüge passen.

Effiziente Kommunikation

Jau und Woll sind elementare Begriffe in der Sauerländer Kommunikation.

Waren wir es vor unserer Imigration ins Sauerland gewohnt, lange Einleitungen, Mittelteile und Hinführungen zum eigentlichen Thema zu formulieren, um eine Frage zu stellen, so läuft die Kommunikation unter Sauerländern viel effizienter ab.

Der Sauerländer spart sich häufig Einleitung, Mittelteil und Hinführung zum Thema und kommt direkt und ohne Umwege zur Sache. Diese Direktheit ist für den unerfahrenen Gesprächspartner genauso zeitsparend, wie irritierend. Wenn Du Dich als Fremder also manchmal fragst, ob Dein Sauerländer Gegenüber das jetzt wirklich so zu Dir gesagt hat, glaub es. Es war so.

Wundert Euch auch nicht, wenn Ihr auf wortreich und emotional vorgetragene Monologe, von einem Sauerländer lediglich ein kurzes und knappes „Jau“ erntet. Dieses „Jau“ ist viel wert. Betrachtet es als euphorische Zustimmung zu Eurem Vorschlag. Kommt kein „Jau“, dann macht Euch nochmal Gedanken über Euren Vorschlag.

„Jau, woll?“ kommt der Extase gleich. Ihr habt ins Schwarze getroffen. Glückwunsch!

Das mit dem „Woll“ ist auch so eine Sache. Diese 4 Buchstaben bedeuten im Sauerland echt viel. Ihr glaubt gar nicht, wie variantenreich der Begriff „Woll“ ausgesprochen werden kann. Als bekräftigender Abschluss an eine Frage, alleinstehend als Zustimmung, mehrfach in wenige Sätze eingebaut, als Statement „ich bin ein Sauerländer!“ oder als wortgewordenes Satzzeichen, mit der versteckten Aufforderung, jetzt bitte das Thema zu wechseln. Woll is dem Sauerländer sein sprachliches Allheilmittel. Es kommt halt drauf an, wie es betont wird.

Woll ist toll, finden inzwischen auch wir. Es kommt immer häufiger vor, dass wir gedanklich ein „Woll“ ans Satzende setzen, dies aber dann doch nicht aussprechen, weil es uns immer noch ein bißchen fremd ist. Mal sehen, ob wir irgendwann auch diese Hürde noch nehmen.

Unsere Begeisterung von Natur, Land und Leuten teilen wir übrigens auch in den sozialen Netzwerken auf „Sauerland macht glücklich“. Schaut gerne auch dort mal nach.

Habt eine gute Woche und schaut nächste Woche wieder in unserem Blog vorbei, woll!

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